Liebe Freundinnen und Freunde der Brauwerkstatt, ihr habt sicherlich gehört, dass aufgrund der finanziellen Lücken im Bundeshaushalt eine Erhöhung der Alkoholsteuer geplant ist. Diese Bühne nutzen Abstinenzorganisationen um einschneidende alkoholpolitische Maßnahmen zu fordern, die die wirtschaftliche Existenz von Brauern und Winzern gefährden. Schon seit Jahren fordern Abstinenzorganisationen und Suchtforscher Werbe- und Verkaufsverbote. Neben einzelnen Politikern*innen hat sich zuletzt die Partei "Die Grünen" der Abstinenzbewegung angeschlossen. Einen Antrag der Bundestagsfraktion zu Werbe- und Verkaufsverboten begründen sie mit einem exorbitant hohen pro-Kopf-Alkoholkonsum von 11,0 Liter reinem Alkohol. Dazu muss man einiges wissen. In Deutschland besitzt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS) das Informationsmonopol zum Thema Alkoholkonsum . Zu 90 Prozent vom Bund finanziert stellt der Verein in einem DHS Jahrbuch Sucht jährlich die Zahlen zum Alkoholkonsum in Deutschland zusammen. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die großen Abstinenzvereine in Deutschland, wie das Blaue Kreuz, der Kreuzbund und nicht zuletzt die Guttempler Mitglied in der DHS sind. Ein Schelm, wer sich böses dabei denkt. Bis zum Jahr 2022 wurde der Pro-Kopf-Alkoholkonsum von der DHS mit Verkaufszahlen des Handels errechnet. Im Jahr 2023 zeigt sich eine einschneidende Veränderung bei der DHS. Neben der Geschäftsführung wird auch das Autorenteam ausgetauscht, dass die Zahlen zum Alkoholkonsum berechnet. Die Suchtforscher Jakob Manthey und Karolin Kilian nehmen nicht mehr, wie bisher, die Handelsdaten als Berechnungsgrundlage zum Alkoholkonsum sondern Steuerdaten. Da die Steuerdaten einigermaßen gut mit den Produktionsdaten, aber nicht mit den Verkaufszahlen korrelieren, denn das was produziert ist, ist noch lange nicht konsumiert, ergeben sich automatisch höhere Zahlen bei der Berechnung des Pro-Kopf-Konsums. Diese "Strategie der hohen Zahlen" zeigt sich auch in einer eigenmächtigen Veränderung des Alkoholgehalts für Wein und Sekt, und zuletzt auch für Bier. Mit diesem Vorgehen erreichen es die Autoren tatsächlich eine Zunahme des Alkoholkonsums von 10,3 Liter im Jahr 2023 auf 10,5 Liter im Jahr 2024 zu erreichen. Der Alkoholkonsum in Deutschland sinkt seit 40 Jahren kontinuierlich, die von den Suchtforschern erzielte Zunahme lässt insofern berechtigte Zweifel an der Richtigkeit der Rechnung aufkommen. Mit diesen Merkwürdigkeiten habe ich mich in meinem Buch "Alkoholkonsum Nüchtern Betrachtet" intensiv beschäftigt. Eine Wende gibt der ganzen Geschichte das Jahr 2025. Nach einer exorbitanten Zunahme des versteuerten Alkohols im Jahr 2024 auf 194 Millionen Liter, gab es im Jahr 2025 eine noch größere Abnahme auf 149 Millionen Liter. Die Quelle ist das Statistische Bundesamt. Mit den vorliegenden Zahlen habe ich den Pro-Kopf-Alkoholkonsum in Deutschland einmal mit den Steuerdaten analog zur DHS und einmal mit den Verkaufszahlen des Handels für das Jahr 2025 berechnet. Damit ergibt sich für das Jahr 2025 nach eigenen Berechnungen mit der Berechnungsmethode der DHS ein Pro-Kopf-Alkoholkonsum von 9,5 Litern. Das bedeutet: Deutschland liegt beim Pro-Kopf-Alkoholkonsum deutlich unter dem europäischen Durchschnitt von knapp 10 Litern. Deutschland darf nicht als Hochkonsumland bezeichnet werden. Deutschland hat die mit der WHO vereinbarte Verpflichtung einer Reduktion des Alkoholkonsums von 2010 bis 2025 um 10 Prozent, mit 18 Prozent um fast das doppelte übertroffen.
Mit einem Pro-Kopf-Alkoholkonsum von 9,5 Litern im Jahr 2025 und einem Rückgang von 1,0 Litern Reinalkohol pro Kopf der Bevölkerung gegenüber 2024, lassen sich die alkoholpolitischen Forderungen der Abstinenzbewegung und die der Partei „Die Grünen“ schwer aufrecht erhalten.

Pro-Kopf-Alkoholkonsum (PKA) in Deutschland Reiner Alkohol alle Angaben in Liter Bevölkerung 15 Jahre und älter
| Jahr | DHS*nach HD | EB** nach HD | DHS*** nach SD | EB**** nach SD |
| 2020 | 10,0 | 10,0 | ./. | |
| 2021 | ./. | 9,8 | ./. | |
| 2022 | ./. | 9,7 | ./. | |
| 2023 | ./. | 9,4 | 10,3 | 10,3 |
| 2024 | ./. | 9,3 | 10,5 | 10,5 |
| 2025 | 8,8 | 9,5 |
* Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) auf Basis von Handelsdaten (HD) bis 2022 ** Eigene Berechnungen (EB) auf Basis von Handelsdaten (HD) *** Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) auf Basis von Steuerdaten (SD) ab 2023 **** Eigene Berechnungen (EB) auf Basis von Steuerdaten (SD) Wer mehr über die "Strategie der hohen Zahlen" erfahren möchte, dem empfehle ich mein im Mai dieses Jahres erschienene Buch. Es würde mich auch freuen, wenn ihr es weiterempfehlt.Mit besten Grüßen aus der Brauwerkstatt
Winni
Mit besten Grüßen aus der Brauwerkstatt